Sinnliche Düfte aus dem Morgenland

Parfümeure haben nicht nur eine gute Nase, sondern auch oft eine bewegende Geschichte. Das Handwerk des Parfümeurs kann man nicht lernen, man kann sich höchstens Tipps holen, denn die Nase kann nicht getäuscht werden, und die ist das wichtigste Werkzeug beim Kreieren von Parfum.

Weihrauch, Myrrhe und Or

Die Weihnachtszeit rückt näher und mit ihr die drei Waisen aus dem Morgenland, die dem Jesuskind Geschenke brachten. Verbunden mit der orientalischen Tradition, dass Babys mit Orangenblüten abgerieben werden und böse Geister zu vertreiben, brachte man dem Neugeborenen als Geschenk Weihrauch, Myrrhe und Gold. Beim Gold handelte es sich jedoch eigentlich um Or, ein zu dieser Zeit sehr wertvolles Baumharz. Noch heute ist der Geruchssinn einer unserer wichtigsten Sinne. Dies spiegelt sich auch in Sprichwörter wie „jemanden gut riechen können“ wider. So findet man heutzutage in jedem Haushalt Duftwässerchen. Je nach Tageszeit und Anlass bevorzugt man verschiedene Düfte. Deshalb sollte man Eau de Toilette auch zu verschiedenen Tageszeiten ausprobieren, damit man seinen ganz persönlichen Duft findet.

Serge Lutens – Eine Geschichte aus tausendundeiner Nacht

Es scheint, dass die berühmtesten Parfümeure aus Frankreich kommen. Hier sind die Einflüsse anderer Kulturen am größten, Orient und Abendland mischen sich und es entsteht eine einzigartige Mischung an Düften und Aromen. Serge Lutens war eigentlich Fotograf, bevor es seine Leidenschaft für Parfüm entdeckt hat. Obwohl er die Leidenschaft für Aromen schon frühzeitig entwickelte. Schon als Kind genoss er es, durch das arabische Viertel Rue Tournai in Lille zu gehen, und die verschiedenen Eindrücke aufzunehmen. So sind seine Düfte heute von arabischer Süße und Schwere geprägt. Der heute in Marrakesch lebende Franzose vertritt die Philosophie, dass es keine puren Damen- oder Herrendüfte gibt, sondern nur das persönliche Empfinden eines jeden Individuums. Parfüm zu kreieren ist für ihn keine Kunst an sich, sondern eher ein Gefühl. Und das Ergebnis spricht für sich. Seine Eau de Parfum hat einen warmen Duft, schließt man die Augen, wird man auf einen arabischen Basar versetzt, spürt das pulsierende Leben und die Betriebsamkeit. Möchte man den Franzosen für sich entdecken, entdeckt man sich selbst. Neben anderen gut geführten Parfümerien findet man Serge Lutens auch bei Ludwig Beck. Hier kann man sich auf eine Reise in eine Welt aus tausendundeiner Nacht machen und seinen ganz persönlichen Duft entdecken.

Pianistin – Modell – Parfümeurin

Was Annick Goutal mit Serge Lutens verbindet, ist die Liebe zu Düften und die Herkunft aus Frankreich. Als musisch begabtes Kind einer Pariser Konditorfamilie erhielt sie schon seit jüngster Jugend Klavierunterricht. Nach jahrelangem Üben schaffte sie es mit 16 Jahren sogar, einen der bekanntesten Musiknachwuchspreise zu erhalten. Dieser Gewinn war für sie nicht nur Selbstbestätigung, sondern auch Startpunkt für einen Ausbruch aus dem starren Leben zwischen Klavier und Schule. Sie ging als Au Pair nach London. Hier wurde sie auf der Straße als Modell entdeckt und feierte schnell erste Erfolge auf internationalen Laufstegen. Aber sie erkannte schnell, dass das auch nicht ihr Traumberuf war. Sie ging nach Paris zurück und eröffnete einen Antiquitätenladen. Einen Rückschlag erlitt sie Mitte der 70er Jahre, als sie schwer erkrankte. In dieser Zeit offerierte ihr eine Freundin die Idee, einen Handel und Vertrieb von Naturkosmetik zu eröffnen. Unermüdlich begann sie mit der Arbeit und erlernte im Haus Robertet bei den besten Parfümeuren der Welt ihr Handwerk. 1981 eröffnete sie in einer ehemaligen Bücherei ihre erste Boutique in Paris. Auch wenn Goutal 1999 verstorben ist, lebt sie in ihren Eau de Parfums und Pflegeprodukte noch heute weiter.

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